Der Wunschbaum

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Es war einmal ein Wunschbaum. Tief im Wald versteckt, hatte er seine Wurzeln geschlagen. Golden bl├╝hten seine Bl├Ątter tagein, tagaus. Nie verlor er auch nur ein Blatt.

Diamanten, Rubine und Smaragde wuchsen in seinem Ge├Ąst. Die Steine bargen W├╝nsche und zerbarsten bei Erf├╝llung. Doch diese wurde nur zuteil, wenn es ein wahrer Wunsch war. Ebensolche, die tief verborgen in Mensch, Tier und Wesen lagen.

Zu jeder Stund┬┤ fanden W├╝nschende den langen Weg zum Baum. Sehns├╝chte wurden gesprochen, doch die wenigsten fanden Erf├╝llung.

Mit h├Ąngenden K├Âpfen verlie├čen die Suchenden die Lichtung wieder. Verwundert, dass nicht ihr Herz, sondern eine niedere Neigung gesprochen hatte. Aus manch einem sprach die Gier, die Lust oder gar die Eifersucht. Die Davonschleichenden stellten ├╝berrascht fest, dass sie sich selbst nicht so recht kannten. Einige ergriff die kalte Wut und h├Ątten sie die Axt zur Hand gehabt, der Wunschbaum st├╝nde nicht l├Ąnger auf seiner schattigen Lichtung.

Doch auch die Nachdenklichkeit fand den Weg zu so manchem W├╝nschenden, und der Wiederkehr stand nichts mehr im Weg.

Eines Tages traten ein Wolf und ein Schaf auf die Lichtung. Rundherum wurde getuschelt und geschw├Ątzt. Der Drache beugte sich zum Fuchs und fl├╝sterte: „Was will der Reisser, was will das Schaf?“

„F├╝hrt er gar das Wollige zur Schlachtbank?“, kr├Ąchzte die Kr├Ąhe. „Das ist unat├╝rlich“, befand der Wurm. Nur das M├Ądchen hockte still und dachte nach. Unmut erwuchs in ihrem Herzen. Was g├Ąbe sie daf├╝r, wenn all das b├Âsartige Geplapper und die H├Ąhme verschw├Ąnde?!

Von einem auf den anderen Augenblick wurde es ruhig und ein Diamant fiel vom Baum. Niemand hatte einen Wunsch gesprochen, doch es schien als vern├Ąhme der Baum auch die Stimme des Herzens. Erstaunen huschte ├╝ber die Mienen der Umstehenden. Da setzte sich der Edelstein in Bewegung und rollte durch die Wiese in die H├Ąnde des M├Ądchens. Das Kind begann zu weinen: „Ich habe meinen Wunsch doch noch gar nicht gesprochen!“ Das Schaf beugte sich zum dem M├Ądchen hinab. „Was w├Ąre denn dein Herzenswunsch gewesen?“

„Nicht mehr hungern zu m├╝ssen und es soll der Acker Fr├╝chte tragen!“ Sie schluchzte bitterlich. „Aber schau doch!“, meinte das Schaf und deutete auf den Stein. „Der Diamant zerf├Ąllt nicht zu Staub!“ Ein Raunen ging ├╝ber die Wiese. Nein, der Stein verblieb in der Hand des M├Ądchens. Hart, wie eh und je. Ein Strahlen trat in ihre Augen und sie rannte zum Baum und legte ihre schmalen ├ärmchen um den Stamm. Kurz darauf verschwand sie im Wald und ihr Singen hallte noch lange in den Ohren der Umstehenden.

Der Wolf schenkte dem Schaf ein L├Ącheln. „Ich glaube, wir brauchen den Wunschbaum nicht. Wir haben unsere Liebe!“ Hand in Hand drehten sie sich zum Wald. Da fiel ein Smaragd vom Baum und zerfiel zu Staub. „Was war der Wunsch?“, fl├╝sterte der Drache, doch der Fuchs zuckte nur mit dem Schwanz. Eine Ver├Ąnderung ging ├╝ber die Lichtung. W├Ąrme kroch tief in die Herzen und erf├╝llte ein jedes. Wo zuvor Unzufriedenheit und Mi├čgunst herrschte, breitete sich Zufriedenheit und Gl├╝ck aus. „Nun kenne ich den Wunsch!“, kr├Ąchzte die Kr├Ąhe.

Es rauschte der Baum und das Ge├Ąst wisperte: „Das Herz des Schafes w├Ąhlte klug. Nun geht fort!“ Die bunten Steine fielen aus den goldenen Bl├Ąttern und die Wunschlosen verlie├čen den Wald.

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